Häufig gestellte Fragen (FAQ) zu den Diphotérine® und Hexafluorine® Spüllösungen
1 Ausnahme: das LIS (50 ml Augenspülung), die kleinste Dosierung von Diphotérine®, hier muss die Spülung innerhalb der ersten 10 Sek. nach dem Chemikalienkontakt erfolgen., muss innerhalb von 10 Sekunden angewendet werden.
Wasser ist die erste Lösung zur Notdekontamination nach Gefahrstoffkontakt, die bekannt ist.
Das Spülen mit Wasser hat praktische Vorteile: die Verfügbarkeit und die Vielseitigkeit. Der Zugang zu Wasser ist in der Regel einfach und es ermöglicht eine Vielzahl an Chemikalien mit der gleichen Wirksamkeit zu spülen.
Die Wirkung von Wasser auf einen Gefahrstoff ist mechanisch: Wasser entfernt den Gefahrstoff von der Oberfläche der Haut oder des Auges. Dieser mechanische Effekt ist die Hauptwirkung der Spülung. Darüber hinaus ist das Spülen mit einer grossen Wassermenge ausreichend um die Chemikalie zu verdünnen. Je weniger konzentriert der Gefahrstoff ist, umso weniger aggressiv ist er für das biologische Gewebe. Das Spülen mit Wasser hat jedoch eine begrenzte Wirkung und einige Nachteile.
Die Spülung mit Wasser begünstigt das Eindringen des Gefahrstoffs in das Gewebeinnere. Wasser hat, im Vergleich zur Haut und zum Auge, einen geringeren osmotischen Druck. Ein Teil des zur Spülung genutzten Wassers wird in das Innere des Gewebes eindringen und einen Teil des Gefahrstoffs mitnehmen. Der Gefahrstoff, der eingedrungen ist, wird auf das Gewebe reagieren und Schädigungen und Verätzungen verursachen. Dies nennt man «Effekt Wash-In».
Das Spülen mit Wasser hat keine Wirkung auf den Gefahrstoff, der bereits in das Gewebe eingedrungen ist. Wasser kann den Gefahrstoff, der bereits in die Haut oder das Auge eingedrungen ist, nicht entfernen. Die eingedrungene Menge des reizenden oder ätzenden Gefahrstoffs kann auf seine biologische Angriffsfläche wirken und Verätzungen verursachen. Somit hat der Gefahrstoff das physiologische Gleichgewicht zerstört, die Spülung mit Wasser kann nicht dazu beitragen zu einem normalen pH-Wert zurückzukehren. Eine Säure, die in die Haut eingedrungen ist, wird den pH-Wert des kontaminierten Gewebes senken. Die Haut mit Wasser zu spülen ermöglicht keine Rückkehr zum normalen pH-Wert.
Wasser hat keine chemische Wirkung auf die Reaktivität des Gefahrstoffs. Die Gefahr eines Gefahrstoffs nimmt durch das Spülen mit Wasser nicht ab.
Um ein optimales Ergebnis zu erzielen ist die Interventionszeit für eine Spülung sehr kurz. In den Vereinigten Staaten empfiehlt die Norm des American National Standard Institute (ANSI) den Beginn einer Spülung innerhalb von 10 Sekunden nach dem Gefahrstoffkontakt mit dem Auge.
Um zusammenzufassen kann man sagen, dass eine Spülung mit Wasser:
- einen mechanischen Abspüleffekt der Oberfläche und
- eine Verdünnung des Gefahrstoffes ermöglicht.
Experimentelle Studien haben gezeigt, dass eine Spülung mit Wasser nicht optimal ist und, dass es möglich ist, die Notfallbehandlung einer Verätzung, insbesondere bei ätzenden und reizenden Stoffen, zu verbessern.
Der gesamte Inhalt der Flasche muss entleert werden:
- bei einer Augenkontamination spülen Sie mit der Hexafluorine® Augenspülflasche à 500 ml
- bei einer Hautkontamination verwenden Sie eine Hexafluorine® Körperdusche à 5 l
- bei kleineren Hautkontakten (z.B. ein Finger) kann auch anstelle der Hexafluorine® Körperdusche eine Hexafluorine® Augenspüflasche angewendet werden.
Das Risiko der Vergiftung durch HF-Dämpfe ist nicht zu vernachlässigen, da das Einatmen der Dämpfe schnell erfolgt und sehr gefährlich sein kann. Bei verschütteter oder ausgelaufener Flusssäure sollten ebenfalls Erste-Hilfe-Massnahmen vorgesehen sein, die das Risiko der Kontaminierung der Mitarbeiter einschränken: hier sollte der Chemikalienbinder Trivorex® eingesetzt werden.
Notfallprotokoll im Krankenhaus:- bei einem Augenkontakt mit Flussäure: Spülung mit 500 ml Hexafluorine®, anschliessend medizinische Behandlung
- bei einem Hautkontakt mit Flusssäure: Spülung mit einer Hexafluorine® Körperdusche à 5 l
- bei Bedarf sollte Kalciumgluconatgel oder ein anderes Antidot unterspritzt bzw. intravasal gespritzt werden Falls die kontaminierte Körperoberfläche mehr als 1% des Körpers übersteigt, sollte an Kalzämie, Kaliämie, Magnesiumämie, Phosphorämie gedacht werden.
* Liste der getesteten Chemikalien unter www.tinovamed.ch abruf- und downloadbar
Bereits mit dem Beginn der Anwendung von Diphotérine® kommt es zu einem Nachlassen des Schmerzes. Zudem ist bei einem Kontakt mit Chemikalien im Notfall nicht immer klar, um welchen Gefahrstoff es sich handelt. Der Betroffene hat möglicherweise Kontakt mit einem Gefahrstoff gehabt, dessen Konzentration nicht bekannt ist oder es ist nicht klar, zu welcher Stoffgruppe er gehört. Deshalb sollte ein einfaches Protokoll gelten, das in jedem Fall dazu führt, dass das gewünschte Ergebnis erzielt wird. Aus diesem Grund muss immer der gesamte Inhalt des Produkts innerhalb der von Prevor angegebenen Interventionszeit verwendet werden. Damit stellt sich auch nicht das Problem teilentleerter Verpackungseinheiten, mit denen die notwendige Menge zur Dekontamination eines durch einen künftigen Unfall betroffenen Mitarbeiters nicht mehr zur Verfügung steht.
Im Falle eines Haut- oder Augenkontakts mit einem ätzenden oder reizenden Gefahrstoff ist es sehr wichtig die Reaktion auf das Gewebe einzugrenzen. Das Gefahrstoff reagiert so lange auf das Gewebe wie sie in Kontakt mit ihm ist und keine Maßnahme diese Aggressivität stoppt.
Um wirkungsvoll zu dekontaminieren, müssen die Kontaktdauer und die Reaktion des aggressiven Gefahrstoffs auf das Gewebe eingegrenzt werden. Hierzu muss man:
- den Gefahrstoff von der Oberfläche der Haut oder des Auges entfernen
- das Eindringen des Gefahrstoffs in das Innere des Gewebes stoppen und den bereits eingedrungenen Gefahrstoff entnehmen
- das ätzende oder reizende Potential des Gefahrstoffs senken, um die Bildung einer Verätzung zu vermeiden.
Es muss also so schnell wie möglich gehandelt werden um den Gefahrstoff von seiner biologischen Angriffsfläche zu entfernen. Die Notfallbehandlung erfordert:
- entkleiden Sie die Person. Sollte die Kleidung von dem ätzenden oder reizenden Gefahrstoff durchnässt sein, kann dieser bei Hautkontakt noch weiter reagieren
- eine ausgiebige Spülung durchführen, die das mechanische Abspülen des Gefahrstoffs von der Körperoberfläche ermöglicht und ihn zu verdünnen um ihn weniger aggressiv zu machen.
Schnelles und gründliches Spülen ermöglicht eine effektive Dekontamination des Gewebes nach einem chemischen Kontakt.
Diphotérine® und seine Rückstände durch Reaktion mit starken Säuren oder Basen wirken auf Kaninchenaugen nicht irritierend. Auf gesunde Augen beim Menschen wirken sie ebenfalls nicht irritierend. Es gibt keinen Hinweis auf eine schädigende Wirkung durch die Anwendung von Diphotérine® nach Arbeitsunfällen im industriellen Bereich. Tests bei Meerschweinchen ergaben, dass Diphotérine® die Haut nicht reizt. Tests zur Ökotoxizität haben ergeben, dass Diphotérine® auf Standardorganismen nicht toxisch wirkt.
b) Wirkt es bei einer verspäteten Spülung genauso wie beim Einsatz während der ersten Minute? Die Spülung mit Diphotérine® ist am wirkungsvollsten, wenn sie so schnell wie möglich nach dem Auftreten des Chemikalienspritzers am Auge oder auf der Haut eingesetzt wird (während der ersten Minute1). Je länger die Spülung mit Diphotérine® herausgezögert wird, desto geringer ist die Chance, dadurch die Verätzung zu verhindern oder in ihrer Schwere zu minimieren zu können. Eine verspätete Spülung mit Diphotérine® kann die Reaktion der Chemikalie stoppen und dank der hypertonen Eigenschaft bereits eingedrungene Chemikalien aus dem Gewebe lösen. Die Verätzung kann bei einer verspäteten Spülung evtl. nicht verhindert werden, aber der Heilungsprozess kann im Zusammenhang mit weiteren, spezifischen Behandlungen gefördert werden. Wenn die der Chemikalie ausgesetzten Zellen im Auge oder in der Haut bereits zerstört sind, hat Diphotérine® keine Wirkung mehr.
1 Ausnahme: das LIS (50 ml Augenspülung), die kleinste Dosierung von Diphotérine®, muss innerhalb von 10 Sekunden angewendet werden.
Der Unterschied liegt alleine in der Haltbarkeit:
- Haltbarkeit von Previn®: 1 Jahr
- Haltbarkeit von Diphotérine®: 2 Jahre
- Wirkt aktiv auf Laugen, Säuren, Lösungsmittel, Reduktoren, Chelatbildner und Oxidationsmittel
- Ist hyperton
- Ist phosphatfrei und unbedenklich ohne Nebenwirkungen anwendbar
- Ist auf Augen und der Haut anwendbar
- Verfügt über ein klares Anwendungsprotokoll
Bei einer Kombination von thermischen und chemischen Verbrennungen muss Diphotérine® / Hexafluorine® immer vor der thermischen Behandlung eingesetzt werden. Hydrogels und andere wasserähnliche Produkte können die Wirkung von Diphotérine® / Hexafluorine® wesentlich einschränken. Es wird dringend empfohlen, zunächst die Verätzung und anschliessend die Verbrennung zu behandeln.
Prevor hat die Ungefährlichkeit seiner Spüllösungen getestet, stellt eine Liste der mit seinen Spüllösungen zu dekontaminierenden Chemikalien bereit und informiert Sie über die Grenzen dieser Spüllösungen.
Diese Informationen zur Normkonformität stehen im Allgemeinen zu den auf dem Markt befindlichen Spüllösungen (Phosphat- oder Boratpuffer, Kochsalzlösung) nicht zur Verfügung, weil sie im Allgemeinen nicht mit den Anforderungen der Norm EN15154 kompatibel sind, was die Unbedenklichkeit und die Wirksamkeit betrifft.
- es ermöglicht jedem Unfallopfer, die Spülung alleine durchzuführen
- es ermöglicht dem Verletzten das Auge korrekt zu öffnen, damit eine wirksame Spülung erfolgen kann
- es ermöglicht eine anhaltende und gleichmässig verteilte Spülung der Hornhautoberfläche Der Einsatz einer Morgan-Linse wurde in Erwägung gezogen, dann aber aufgrund folgender Versuchsergebnisse nicht verwirklicht:
– es ist problematisch, die Linse im Notfall einzusetzen, weil die Interventionszeit dann von höchster Bedeutung ist
– da nicht die gesamte Oberfläche des Auges gleichmässig gespült wird, kann nicht in allen Fällen die gleicheWirksamkeit gewährleistet werden Aus diesen Gründen hat Prevor sein spezielles Augenspülsystem entwickelt und es patentieren lassen.
*Anmerkung: Beschreibung einer Morgan-Linse: Schlauch, der mit einer perforierten Linse verbunden ist. Durchmesser des Schlauchs < 2 mm. Linse aus Polystyrol mit angeklebtem Schlauch.
Dennoch empfehlen die von uns zu Rate gezogenen Augenärzte den Einsatz der Morgan-Linse nach einem Chemikalienspritzer nicht, weil die Gefahr besteht, das die Verteilung der Spüllösung nicht ausreichend gleichmässig erfolgt. Es wurde nämlich festgestellt, dass die Spüllösung Vertiefungen folgt und bestimmte Bereiche nicht gespült werden. Um aber die Wirksamkeit einer Spülung nach einem Chemikalienspritzer sicherzustellen, muss die gesamte Hornhaut und die Konjunktivalsäcke gespült werden. Wir gehen daher davon aus, dass die Morgan-Linse nicht die gleichen Vorteile garantieren kann wie eine manuelle Spülung durch einen Facharzt.
Bindemittel wie Trivorex® usw. sind Chemikalienbinder, die sich für die Neutralisation und Verfestigung von verschiedenen Arten von Chemikalienlachen eignen.
Prevor als Spezialist für den Umgang mit chemischem Risiko bietet folgendes an:
- Bücher zu den Themen «Chemisches Risiko und Gesundheit am Arbeitsplatz», über die Vorbeugung beim Einsatz von Lösungsmitteln usw. sind in französischer Sprache erhältlich.
- Fachseminare für Spezialisten aus dem Bereich Arbeitssicherheit und Gesundheit (technische Aufsichtsbeamte, Sicherheitsingenieure, Arbeitsmediziner, Notärzte, Toxikologen) sowie Ausbilderseminare (für Personen, die Sicherheitsbelehrungen und Ausbildungen im Bereich Arbeitssicherheit durchführen,) zum Thema Erste Hilfe nach Kontamination mit Gefahrstoffen finden regelmässig in verschiedenen Städten statt.
